Die Begabtenakademie des LMGU im Schuljahr 2009/10

a_DSC_0030Auch in diesem Schuljahr haben wieder über 110 unserer Schülerinnen und Schüler erfolgreich an der LMGU Begabtenakademie teilgenommen – und es gab ein reichhaltiges und vielseitiges Angebot.

Da unsere Feedback-Bögen, um die wir die Teilnehmer des letzten Jahres gebeten hatten, ergeben haben, dass besonders außerschulische Lernorte geschätzt werden, haben wir in diesem Jahr versucht, diese Angebote weiter auszubauen:
Drei Wochenendkurse an der Fachoberschule München im Fachbereich Informatik, Besuch der Antikensammlung, Theaterbesuch im Amerikahaus, Klettern, eine Exkursion zum Chemie-Konzern Roche, ein Galerien-Parcours durch München und vieles mehr.

Auch „im Haus“ haben wir unser Konzept ein wenig variiert. Für die a_DSC_0044Begabtenakademie ab der 8. Jahrgangsstufe gibt es nun nicht mehr nur die ca. zehnstündigen Module, sondern auch die sogenannten „Schnuppererlebnisse“. Eine kurze Begegnung mit einem neuen Thema soll Horizonte öffnen und unsere Schülerinnen und Schüler neugierig machen „auf mehr“. Für diese Schnuppererlebnisse haben wir die vielfältigen Fähigkeiten und Kenntnisse unserer Lehrkräfte genutzt, wie zum Beispiel: Improvisationstheater, ein Nachmittag „Spanisch für den Urlaub“, Astronomie, Percussion, Robotik, „Kunst in München“, usw.

Aber nicht nur Lehrer haben Kurse geleitet. Ein besonderer Dank geht an Herrn a_DSC_0053Mächler, der zusammen mit einer Begabtenakademie-Gruppe unser analoges Fotolabor (im wahrsten Sinne des Wortes) „entstaubt“ hat und den Schülerinnen und Schülern Einblick in die Welt der Fotografie gegeben hat, die er als Bildjournalist bestens kennt.
Ein außergewöhnliches zusätzliches Angebot war sicher auch das Philosophieseminar, das Herr Professor Dr. Schroeder für unsere Schülerinnen und Schüler gehalten hat und das wir auch im kommenden Schuljahr weiterführen möchten.

Ebenfalls neu im Konzept ab der 10. Jahrgangsstufe war, dass unsere Akademie durch Abendveranstaltungen erweitert wurde: Die Exkursionen ins Historische Kolleg in München zur Diskussionsreihe „Blick zurück nach vorn – mit allen Sinnen“ eröffnete nicht nur Einblick in kontrovers diskutierte Themenbereiche, sondern ermöglichte es den Schülerinnen und Schülern, auch im Anschluss an den offiziellen Teil selbst mit den prominenten Diskussionspartnern ins Gespräch zu kommen. Auf diesem Wege entstand der Kontakt zu Herrn Dr. Bernhard Bueb. Dank des Engagements von Frau Eichberger und unserer Schülerinnen und Schüler der Begabtenakademie ist es uns gelungen, den 1938 in Tansania geborenen, bekannten deutschen Theologen und Pädagogen („Lob der Disziplin“, „Von der Pflicht zu führen: Neun Gebote der Bildung“) als Gast für den diesjährigen Abschlussabend der Begabtenakademie zu gewinnen.

Mit über 200 Anmeldungen für die Abschlussveranstaltung waren nicht nur die Akademieteilnehmer gefordert, die für die Organisation und Moderation des Abends zuständig waren, sondern auch die Mitarbeiter der Mensa, die wie immer für ausgezeichnete Rahmenbedingungen und eine angenehme und einladende Atmosphäre sorgten. Mit hohem Arbeitsaufwand und Kreativität wurde Platz geschaffen, im inhaltlich passenden Design dekoriert und die Mensa auch nach dem Abend wieder in den „Ausgangszustand“ zurück versetzt – unser besonderer Dank gilt damit Frau Kleinle und ihren Mitarbeiterinnen!

Annalena Mittlmeier, Klasse 10b, hat den Inhalt von Herrn Buebs Referat, „Was ist ein gebildeter Mensch“, zusammengefasst (siehe unten). Im Anschluss an den Vortrag stellte sich Herr Bueb den Fragen der Moderatoren Toni Eichner, Q11, und Benedikt Gloßner, K12. Auf die rege Diskussion folgte die Verleihung unseres diesjährigen Preises der Akademie, sowie die Vergabe der Zertifikate. Der Abend klang in geselligem Beisammensein in unserer Mensa aus.
Wir bedanken uns an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bei Herrn Bueb für seinen Besuch am LMGU, sowie unseren Akademieteilnehmern der Oberstufe für die Organisation des Abends!

Und ein letzter Blick zurück auf das Jahr Begabtenakademie aus meiner Sicht:
Natürlich gab es auch an der ein oder anderen Stelle Probleme (zum Beispiel beim leidigen Thema der Terminfindung), aber das verblasst vor dem bunten und reichen Bild an Erkenntnissen, Erlebnissen und Erfahrungen. Und auch wenn ich so manchen Kurs bei Exkursionen selbst begleiten durfte, so habe ich mir oft gewünscht, noch mehr Zeit zu haben …

Michaela Trinder

“Was ist ein gebildeter Mensch?”
Lob der Disziplin: ein Kommentar zum Abschlussabend der Begabtenakademie mit Bernhard Bueb

Laut unserer Bayerischen Verfassung ist es Aufgabe der Schulen „nicht nur Wissen und Können zu vermitteln, sondern auch Herz und Charakter zu bilden“ (vgl. Art. 131, 1 BV). Dennoch erscheint dieses Ziel in Zeiten des achtjährigen Gymnasiums sowie der übermäßigen Überschüttung mit Informationen ferner denn je. „Unsere Schulen sind Belehrungsschulen und keine Charakterschulen!“, so Bernhard Bueb, Autor des vieldiskutierten Buches „Lob der Disziplin“ und Ehrengast am Abschlussabend der Begabtenakademie am LMGU 2010.

Es besteht kein Zweifel daran, dass es in unserer Gesellschaft eines neuen Nachdenkens über gewisse Grundwerte in Schulen, aber auch in Familien, dem „Fundament eines gebildeten Menschens“, bedarf. Was ist nun also ein gebildeter Mensch? Selbstbewusst, kreativ, tolerant soll er sein, er besitzt Selbstwertgefühl und ruht in sich, akzeptiert seine Umwelt, weil er sich selbst akzeptiert. Das Leben genießt er, aber er verliert das Maß dennoch nicht aus den Augen.

Die Realität in den Schulen ist derzeit wohl anders. „Der Idealtyp eines Schülers ist der bleiche Klassenbeste ohne Persönlichkeit, der sich bereitwillig mit Wissen abfüllen lässt, er wird ausgebildet anstatt gebildet.“ Doch das Ziel, Schüler zu glücklichen und gebildeten Menschen zu machen, wenn Lernen durch Erfahrung dem Lernen durch Belehrung vorangestellt ist, wenn sowohl in der Familie als auch in der Schule zu wenig Zeit ist, um sich den Kindern und Jugendlichen zuzuwenden, könne nicht verwirklicht werden. Gerade in Deutschland aber ist Bildung doch unser wichtigstes Gut, unser größter Exportschlager. Im Hinblick auf diese Tatsachen führen die Bemühungen der Schulen oft nicht zum gewünschten Ergebnis. Laut Bueb ist es sehr wichtig, das „Glück der Anstrengung“ zu vermitteln, das durch die Anerkennung, die sowohl von Familie als auch von Gleichaltrigen nach einer gut erfüllten Aufgabe erfolgt. Um aber eine Aufgabe gut zu erfüllen, ist Disziplin erforderlich. Dabei ist Disziplin aber „kein Wert an sich, sondern ein Mittel“. Das Ziel der Disziplin ist die Selbstdisziplin. All dies soll durch verpflichtende Gemeinschaftserlebnisse in Sport, Theater und Musik, in Sozialarbeit und allgemein in größerer Verantwortungsübernahme, die das Lernen durch Erfahrung anstatt durch Belehrung bedeutet, erzielt werden.

Als ich erstmals von dem Buch „Lob der Disziplin“ hörte, hatte ich das Bild eines totalitären, strafenbasierenden Schulsystems vor Augen, der Begriff „Disziplin“ ist wohl in unserem Land immer noch negativ belastet. Nach dem Abend im Historischen Kolleg und diesem Abend bin ich aber positiv überrascht. Die Forderungen Buebs erscheinen durchdacht, erprobt und sinnvoll. Dennoch bezweifle ich, dass das Durchschnittsgymnasium in Bayern, das nicht über Mittel und Möglichkeiten eines Internats Salem verfügt, die Forderungen Buebs, wie beispielsweise die Einführung einer Ganztagsschule zu verwirklichen. Es ist noch ein weiter Weg, bis aus dem ausgebildeten Schüler ein gebildeter Mensch wird, aber wir können diesem Ziel in kleinen Schritten näherkommen.

Das LMGU ist auf dem besten Weg dahin.

Annalena Mittlmeier, Klasse 10b