Die Begabtenakademie des LMGU im Schuljahr 2012/13

Am LMGU fanden wieder zahlreiche Module und Einzelveranstaltungen im Rahmen der Akademie statt. Nur einige davon seien hier genannt:

  • Römische Mythologie
  • Musik im Alltag – Musik in den Medien
  • Vielfalt der Tiere und Pflanzen
  • Stiftung Warentest – Stiftung LMGU Test
  • Architektur im Stadtraum München
  • Grenzbereiche der Kunst
  • Vorbilder im Wandel der Zeit – Vortragsreihe im Historischen Kolleg München
  • Erweiterung des Zahlenraums
  • Auf dem Weg von der Schul- zur Sterneküche – zu diesem Modul können Sie unten einen Bericht von Frau Kleinle lesen, die das Modul ins Leben gerufen, organisiert und mit den Schülerinnen und Schülern durchgeführt hat.

und so weiter und so weiter

Auch die Kooperation mit den Nachbargymnasien wurde weitergeführt. Herr Martlmüller übernahm die Koordination dieser Zusammenarbeit am LMGU.

Von der Schulküche in die Sterneküche – ein Selbstversuch

DSC_0010Hochmotiviert haben sich elf Schülerinnen und Schüler des LMGU auf eine Reise in die Gefilde der höheren Kochkunst begeben. Ziel dieser Reise war es ein mehrgängiges Menü zu kreieren, um dieses dann in ansprechendem Ambiente den illustren Gästen darzubieten. Als profunde Wegbegleiter standen Anna Kleinle und Fabian Schlang den Schülern zur Seite. Fabian, dessen Kochlaufbahn in einem Münchner Sternerestaurant seinen Anfang nahm und der inzwischen schon diverse Preise bei Kochwettbewerben einheimsen konnte und nun sein praktisches Wissen erweitert indem er in Weihenstephan Ernährungswissenschaften studiert, agierte geschickt als Reiseleiter. Anna, die in Bälde ihr duales Studium abschließt, konnte durch ihre praktische Ausbildung in einem Luxushotel alle notwendigen Etikettefragen erschöpfend beantworten und den Schülern so mancherlei Kniffe im Umgang mit Serviette und Besteck beibringen. So gerüstet konnte die Reise beginnen.

DSC_0011Wie bei jeder richtigen Reise so standen zunächst auch hier die Vorbereitungsarbeiten im Vordergrund. Wir wollten klären was „Essen/Speisen“ eigentlich bei uns für Assoziationen hervorruft. Prompt standen Begriffe wie Aldi und Mc Donald’s im Raum. Aber auch Nahrungsmittelskandale und Essstörungen waren schnell genannt. Begriffe wie Esskultur und Lust am Genuss waren Teil eifriger Diskussionen. Gemeinsam haben wir erarbeitet, welche kulturellen Unterschiede es im Essverhalten in den einzelnen Ländern gibt. Wir haben uns kritisch mit der Problematik des Einsatzes von Ressourcen bei der Produktion einzelner Lebensmittel auseinandergesetzt und uns Gedanken darüber gemacht, welche Umweltbelastungen bei der Erzeugung dieser entstehen.

DSC_0018Auch war für uns von Interesse ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie sehr wir von der Lebensmittelindustrie gesteuert werden ohne, dass es uns eigentlich bewusst wird. Ziel all dieser Bemühungen war es den Lebensmitteln, also den Mitteln zum Leben, die Wertschätzung entgegenzubringen, die für einen sinnvollen Umgang notwendig ist. So sensibilisiert konnten wir uns getrost an die Kochtöpfe begeben.

Interessiert scharten sich die Lehrlinge um ihren Meister und lauschten gespannt seinen Worten. Als Gruß aus der Küche, dem Amuse-gueule, sollte es Fischstäbchen geben. Da machten sich dann erste Zweifel breit – Fischstäbchen in der Nobelküche, das konnte doch nur ein Witz sein. Doch dann brachte Fabian einen ganzen Zander mit Kopf, Schwanz und Flossen und was sonst noch alles dazugehörte. DSC_0032

Nun hieß es den Fisch filetieren. Die Jungs griffen behänd zum Messer und lösten gekonnt die Filets von den Gräten. Beinahe zärtlich strichen sie sanft über jedes Fischteil, um die letzte kleine Gräte zu ertasten und sie mit einem blitzartigen Ruck mit der Pinzette aus dem Fleisch zu ziehen. Anschließend schnitten sie die freigelegten Filets in mundgerechte Stückchen. Leicht angefrorenes Brot wurde in schmale Scheibchen geschnitten und der Fisch vorsichtig dazwischen gelegt, um dann gefühlvoll durch die Eimasse gezogen zu werden. Diese filigrane Tätigkeit überließen die Jungs dann doch lieber den Mädchen und widmeten sich der Produktion von jeder Menge Nudelteig, den sie mit der richtigen Masse an Spinat grün färbten. Mit Schweißperlen auf der Stirn wurde dann Stück um Stück durch die Nudelmaschine gejagt. DSC_0088_2

Die Jungs gaben ihr Letztes fast bis hin zur völligen Erschöpfung. Ohne Winkelmesser wurden dann gleichmäßige Dreiecke aus den Teigplatten geschnitten. Jeder einzelne Schritt wurde von den übrigen Schülern emsig kommentiert. Wieder andere putzten Salat, schnitten Tomaten und drehten aus Parmaschinken kleine Rosen. Cocktailtomaten wurden blanchiert, die Haut nach oben gezogen und kurz frittiert, um dann als Deko auf dem Teller zu landen. So wurde Schritt für Schritt jede Komponente für das Abendmenü vorbereitet. Hier ein Schäumchen, dort ein Blümchen so hieß die Devise. Nicht einmal Krücken hielten die jungen Leute davon ab ihren Beitrag zum Gelingen zu leisten.DSC_0063

Eine andere Truppe widmete sich hingebungsvoll der Tischdekoration. Anna führte in die Geheimnisse eines perfekt gedeckten Tisches ein. Tische wurden geschoben, Stühle gerückt. Frisch gestärkte Tischdecken wurden aufgelegt und an ihnen so lange herum gezupft bis jede einzelne Falte beseitigt war und sie richtig auf dem Tisch lagen. So musste jedes Glas kontrolliert und nachgewischt werden, jedes Besteckteil wurde poliert und gerade auf dem Tisch platziert. Mit Akribie wurden die Servietten gefaltet und am Tisch genau ausgerichtet. Natürlich durften auch Kerzen und Blumen nicht fehlen.

Als nächstes gab es eine kurze Einführung für Servicekräfte. Gar nicht so leicht drei Teller ohne Kollateralschaden an den Tisch zu transportieren und sich die Anspannung nicht anmerken zu lassen – lächelnd und fröhlich dem Gast zu begegnen. Welcher Wein gehört in welches Glas? Wie viel soll man einschenken? Stellt man von rechts oder links den Teller ein? Wer begrüßt die Gäste? Diese und viele andere Fragen mussten erschöpfend geklärt werden. Als dann die Tischkärtchen und die Menükarten auf den Tischen verteilt waren war auch dieser Teil der Arbeit abgeschlossen. DSC_0082

Endlich war es soweit, die ersten Gäste betraten langsam den Raum und wurden formvollendet von Christoph und Anton begrüßt während die anderen sich redlich mühten die Sektflaschen zu öffnen und den Aperitif vorzubereiten. Voll freudiger Erwartung plauschten die Eltern entspannt und harrten der Dinge die auf sie zukommen würden. Und das waren zunächst Kleinigkeiten zum Aperitif. Tomaten und Mozzarella auf kleinen Porzellanlöffelchen, geräuchertes Forellenmousse mit Forellenkaviar wurden gekonnt angereicht. Jana, sasa, Christoph und Anton führten mit Charme durch den Abend. Das anfängliche Lampenfieber hatte sich schnell gelegt und man hatte den Eindruck, dass die Damen und Herren großen Spaß an ihrer Arbeit hatten. Sie erläuterten den Gästen womit wir uns im Vorfeld beschäftigt haben und zeigten die Plakate, die am Vortag zu den einzelnen Themenkreisen entstanden sind. Unterbrochen wurden die Erläuterungen durch das Servieren der einzelnen Gänge, das völlig unfallfrei und mit großer Geste erfolgte. DSC_0093

Mit Staunen betrachteten die Eltern die Kunstwerke ihrer Kinder und das beredte Schweigen ließ vermuten, dass ihnen alles hervorragend gemundet hat. Wen wundert es da, dass bei einer Abstimmung zwischen dem selbstproduzierten Apfelstrudel und dem gekauften Produkt die Eigenproduktion als klarer Sieger hervorging.

Alles in allem ein gelungener Abend, wie wir denken. Wir sind sicher, dass sich alle mitwirkenden Schülerinnen und Schüler mindestens eine Kochhaube verdient haben und danken für das Engagement jedes Einzelnen.

Ulrike KleineDSC_0058